Der Wittekindsweg (4) Saurierspuren, die Kellenberge und der Nonnenstein

Von Bad Essen-Wittlage bis Rödinghausen



Montag,
09.03.2026

Kilometer
18,1

Höhenmeter
↑ 445 / ↓ 410

Bewertung: 0 Sterne
0 Stimmen

Startpunkt

Zielpunkt

Bushaltestelle "Wittlage Burgstraße"
49152 Bad Essen (Wittlage)

Bahnhof "Mesch Neue Mühle"
32289 Rödinghausen


Meine vierte Etappe begann, wie die dritte endete: mit einem fast fünf Kilometer langen Zuweg. Ich akzeptierte ihn übrigens völlig klaglos, denn die einzige Alternative wäre gewesen, vier Stunden in einem Bus-Wartehäuschen in Wittlage zu verbringen. Außerdem konnte ich so abermals eine gute Sicht auf den näher kommenden Höhenzug genießen. Und das heizte meine Vorfreude zusätzlich an. 

Ja, auch die heutige Etappe sollte sich als eine Steigerung all dessen erweisen, was an Höhenmetern, aber auch Glücksgefühlen im Wiehengebirge bis jetzt schon auf mich eingeströmt war. Dabei entpuppte sich der Einstiegspfad, auf den ich schon zuletzt einen kurzen Blick hatte werfen können, als geradezu Nichts im Vergleich zu dem weitaus 
brutaleren Anstieg, der mich nur 200 Meter weiter mit dem Linner Berg empfing. Hat man aber erst den Scheitel erreicht, lässt sich mit einem Rückblick in das Tal, wo die Obere Hunte durch die Niederung fließt, auch gleich eine angemessene Belohnung einstreichen.

Es dauert nicht lange, bis sich der Weg zurück ins Tal der Hunte neigt, das zusätzlich mit einem phänomenalen Naturdenkmal aufwartet. In den 1920er Jahren wurden in einem stillgelegten Steinbruch fossile Dinosaurier-Fährten entdeckt, die die gewaltigen Urgeschöpfe vor 150 Millionen Jahren an dieser Stelle, die damals noch eine Sandbank war, hinterlassen haben. Mehrere Tafeln und Saurier-Nachbildungen informieren anschaulich über den erdgeschichtlich sensationellen Fund und machen (zusammen mit dem 16 Kilometer langen "Saurierpfad") den Ort heute besonders für Kinder zu einem spannenden Ausflugsziel. 

Nach dem Überqueren der Hunte und der L83 warten schon die nächsten konditionsfordernden Erhebungen: Der "Kleine" und der "Große" Kellenberg. Während man noch dabei ist, sich den schon einigermaßen strapaziösen Hang des kleineren Bergs hinauf zu kämpfen, will man sich den seines großen Zwillings, der hinter ihm folgen wird, gar nicht erst vorstellen.

So kommt der etwas abseits liegende Aussichtspunkt mit seiner Bank gerade recht für ein außerplanmäßiges Päuschen. Und bevor der "Große Kellenberg" tatsächlich seinen Auftritt hat, wechselt der Wittekindsweg dazu noch rechtzeitig auf einen herrlichen Pfad. Plötzlich erscheint der Anstieg auch gar nicht mehr so schlimm, denn die sich wandelnden Bedingungen, zu denen auch ein deutlich wilderer Landschafts-Charakter gehört, sind nach den vielen breiten Forstwegen äußerst willkommen. 

Zu dieser Abwechslung gehört aber auch, dass die Kahlschlagsflächen geradezu sprunghaft ansteigen. So wirkt es fast ironisch, dass man auf dem Scheitel des Großen Kellenbergs ausgerechnet dem gefräßigen Borkenkäfer einen der bislang äußerst raren Fernblicke des Wittekindswegs verdankt. 

Der daraufhin prompt wieder einsetzende Abstieg führt zu einer weiten Wiese und folgt der asphaltierten Kellenbergstraße bis ins Tal des Drücke-Mühlenbachs. Auf der anderen Seite der K 203 wird es aber gleich wieder abenteuerlich, denn hier nimmt sich der nächste Pfad - erneut in spektakulärer Wildheit - des letzten Berghangs von Niedersachsen an.

Dementsprechend vollzieht der Wanderer - mitten im Wald und auch nur wenig später - den Übertritt nach Nordrhein-Westfalen. Die in den Weg eingelassenen Pflastersteine markieren die Grenzlinie, während ein historischer Grenzstein daran erinnert, dass hier einst auch die beiden Königreiche Preußen und Hannover zusammentrafen. 

Nördlich des Wittekindsweges erstreckt sich nun das Naturschutzgebiet "Gehle". Währenddessen wandert man aber schon stetig auf das nächste geologische Highlight zu: Eine aus der Entstehungszeit des Wiehengebirges stammende Felsscholle, die vor 165 Millionen Jahren durch die aufkommenden Brüche in der Erdkruste angehoben wurde. Sie befindet sich unmittelbar am Weg und ist für erdgeschichtlich Interessierte ein weiterer spannender Ankerpunkt.

Spürbar aufwärts, aber nicht übermäßig steil, ist es nun nicht mehr weit bis auf die Kuppe des Nonnensteins. Zugleich bildet der Kammweg hier auch den Grenzverlauf der Kreise Herford und Minden-Lübbecke ab und behält dies fast bis zum Ende der Etappe bei. 

Der Nonnenstein ist mit seinen 274 Metern die erste bedeutende Erhebung auf nordrhein-westfälischer Seite und verfügt seit 1897 über einen Aussichtsturm. Doch auch, wenn das Bauwerk 71 Jahre später um fünf Meter erhöht wurde, machen die stetig mitwachsenden Bäume einen Blick in die weitere Umgebung inzwischen sehr schwierig.  

Ab der gleich nebenan befindlichen "Bismarck-Feuersäule" geht es wieder talwärts, und währenddessen stellen sich dann überraschender Weise auch die auf dem Aussichtsturm vermissten Weitblicke ein. Hinter "Jules Hütte" verengt sich der Weg erneut zu einem Pfad und lässt kurz vor dem Ziel noch ein Hauch von Urwald-Idylle aufkommen. 

An der Bünder Straße trifft man auf die Häuser von "Neue Mühle", dem kleinsten Ortsteil von Rödinghausen. Hier durchbricht auch die "Große Aue" das Wiehengebirge - als (man mag es kaum glauben) nach Hunte und Diemel drittgrößter westlicher Nebenfluss der Weser.

Jenseits der Siedlung findet man (nach dem Eisenbahnviadukt bei Ostercappeln) die zweite jener beiden Eisenbahnlinien vor, die als einzige den langgestreckten Höhenzug des Wiehengebirges kreuzen. Hier in "Neue Mühle" trifft der Wanderer dann sogar auf eine sogenannte "Bedarfshaltestelle" der Deutschen Bahn - mit einer stündlich verkehrenden Direktverbindung zwischen Rahden und Bielefeld. 


Höhenprofil

Auf dem langen Zuweg

Die Etappe beginnt mit einem ansteigenden Pfad

Steiler Anstieg auf den Linner Berg

Fährte der Dinosaurier, 153 Millionen Jahre alt

Überquerung der Hunte

Aussichtspunkt am "Kleinen Kellenberg"

Der Hauptweg ist einem tollen Pfad gewichen.

Der "Große Kellenberg" ist erklommen.

Auf der Kellenbergstraße

Letzter Anstieg in Niedersachsen

Nordrhein-Westfalen | Niedersachsen

Alter Grenzstein

Gemütliche Rast an der Bundesländergrenze

Der Weg folgt der Kreisgrenze zwischen Herford und Minden-Lübbecke

Ankunft auf dem Nonnenstein

Bismarck-Feuersäule

"Jules Hütte"

Warten die auf den Zug? :-)

Die Qual der Wahl :-)

Bahnlinie zwischen Rahden und Bielefeld

Am Bahnhof "Mesch Neue Mühle" angekommen.


Fitness-Level