Der Wittekindsweg (5) Über die Kahle Wart zur Horsthöhe

Von Rödinghausen bis Lübbecke



Mittwoch,
18.03.2026

Kilometer
14,5

Höhenmeter
↑ 288 / ↓ 287

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Startpunkt

Zielpunkt

Bahnhof "Mesch Neue Mühle"
32289 Rödinghausen

Bahnhof Lübbecke
32312 Lübbecke


Effektiv gesehen, brachte mich die heutige Etappe nur zehn Kilometer auf dem Wittekindsweg voran. Doch dafür war sie Teil eines äußerst gelungenen Tages, an dem ich mir im Anschluss noch einen gemütlichen Bummel durch Lübbecke gönnte.

Inzwischen bin ich im Wiehengebirge so weit nach Osten gewandert, dass eine Anreise über Osnabrück seit heute keinen Sinn mehr ergab. Stattdessen fuhr ich über Bielefeld und stieg dort in Richtung meines Zielbahnhofes "Neue Mühle" um. Da der aber nur den Status einer "Bedarfshaltestelle" besitzt, muss man - und das ist im Zug schon sehr ungewöhnlich - an das rechtzeitige Betätigen der "Stopp"-Taste denken. 

Vom Haltepunkt bis auf den Wittekindsweg sind es dann gefühlt nur 20 Schritte. Und selbstverständlich geht es gleich wieder bergan - nicht allzu steil, aber dafür stetig. Auf der Kuppe des Donoer Bergs lohnt sich ein besonderer Fernblick über die norddeutsche Tiefebene hinweg.

Bis zur nächsten Weitsicht dauert es nicht lange. Die am Glösinghauser Berg geradezu perfekt ausgerichtete Rastbank erinnerte mich aber auch gleichzeitig daran, noch gar nicht gefrühstückt zu haben. Und sie war ein schöner Ort, das nachzuholen. 

Auf dem Weiterweg begann der bis hierher tadellose Waldboden dann in eine Schlammpiste umzuschlagen. Da dies augenscheinlich nur auf eines jener typischen Schwerfahrzeuge zurückzuführen war, die aus meiner Sicht im
 Wald partout nichts zu suchen haben, stand für mich schon fest, bevor ich den Bagger kurz darauf dann auch tatsächlich entdeckte. Nur etwa hundert Meter vor mir war er mit seiner Frontschaufel dabei, großflächig den Weg abzufräsen und zwischendurch immer wieder Unmengen an Erde am seitlichen Rand abzukippen.

Weil das Gefährt dabei nur langsam voran kam, hatte ich es rasch eingeholt. Doch während ich gerade daran vorbei gehen wollte, fuhr der Bagger plötzlich rückwärts und - nur noch eine Armeslänge entfernt - genau auf mich zu. Mit einem hastigen Sprung rettete ich mich zur Seite ins Unterholz und sah fassungslos zu, wie der Fahrer ungerührt mit seiner Arbeit fortfuhr. Ein paar Sekunden überlegte ich, dem Typ zu einem richtig schlechten Tag zu verhelfen. Aber weil der Tag bis jetzt so schön gewesen war, fehlte mir einfach die Streitlaune. 

Der ramponierte Weg zog sich noch eine ganze Weile dahin. Dann kündigten eine Schutzhütte und der gleichnamige Wanderparkplatz die "Kahlen Wart" an: Ein 262 Meter hoher Berg, nach dem auch das Gelände einer Freilichtbühne benannt wurde. Während ein steiler Weg das Areal umgeht, führt ein anderer mitten hindurch. Beide sind mit dem Markierungszeichen versehen - und auch, wenn das Gelände (scheinbar jahreszeitlich bedingt) heute einen verwaisten Eindruck machte, lohnt sich ein Kurzbesuch allein schon wegen der dortigen Fachwerkhäuser. 

Kurz darauf, fast noch in Sichtweite der Kahlen Wart, erreicht man einen wundervollen Aussichtspunkt. Über das unmittelbare Tiefland hinweg lässt sich sich am Horizont ein weiterer großer Höhenzug dieser Region erkennen: Der Teutoburger Wald. Klar verweilte ich auch hier eine ganze Zeit. Schon allein, weil ich an ein grandioses Wanderabenteuer zurückdenken musste, das mich dort gemeinsam mit Kevin erst über den Hermannsweg und dann durch das Eggegebirge bis nach Marsberg geführt hat. 

Ich ging weiter, und am Struberg knackte ich dann hier im Wiehengebirge erstmals die Höhenmarke von 300 Metern. Damit trat aber auch ein erneutes Kahlschlagsgebiet auf den Plan, in dem sich der Borkenkäfer einst außerordentlich wohl gefühlt haben muss.

Einen seiner größten Momente hat der Wittekindsweg dann am 315 Meter hohen Kniebrink. Hier öffnet sich eine geradezu majestätisch anmutende Sicht auf den großen Nordbogen, den das Wiehengebirge bei Lübbecke zieht. Und bei dem Anblick des Höhenzugs und seinem malerischen Relief mischte sich unter das ehrfurchtsvolle Staunen in mir gleich auch die freudige Erwartung: Hier gehst du auf der nächsten Etappe entlang!

Mehrfach werden sich nun ähnlich begeisternde Ausblicke aneinanderreihen, bis der Weg an der 272 hohen "Horsthöhe" nach links abbiegt und der wieder zunehmende Baumbestand die Sicht nimmt. Ein rapides Gefälle kassiert dabei zahlreiche Höhenmeter. Und dafür, dass ich hinter der Wittekindbrücke an der B 239 diese Etappe schon nach 10 Kilometern beendete, konnte ich auf eine ausgesprochen hochkarätige Passage zurückblicken.

Meine Tour über diesen Punkt hinaus fortzusetzen, hätte erfordert, mindestens bis Bergkirchen durchzuwandern. Angesichts drei zusätzlicher Stunden auf dem Kammweg, einer mutmaßlich deutlich komplizierteren Rückreise und der schon jetzt fortgeschrittenen Zeit entschied ich mich aber dagegen. 

Stattdessen schlenderte ich gemütlich nach Lübbecke hinunter, wo ich bis zur Abfahrt meines Zuges in der überaus sehenswerten Altstadt verweilte.


Höhenprofil

Am Bedarfshaltepunkt "Neue Mühle" startet die Etappe.

Auf dem Donoer Berg

Die Glösinghauser Hütte

Am Glösinghauser Berg

Schutzhütte "Kahle Wart"

Das Gelände der Freilichtbühne

Die "Kahle Wart" bietet einen der schönsten Ausblicke

Am Horizont zu sehen: Der Teutoburger Wald

Der Nordbogen des Wiehengebirges

Angekommen in Lübbecke


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