Der Wittekindsweg (1) Die Nette und der Piusberg

Von Osnabrück bis Bramsche-Engter



Dienstag,
10.02.2026

Kilometer
20,2

Höhenmeter
↑ 135 / ↓ 114

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Startpunkt

Zielpunkt

Hauptbahnhof Osnabrück
49074 Osnabrück

Bushaltestelle "Mühlenort"
49565 Bramsche (Engter)


Um drei Uhr wachte ich auf und merkte rasch, nicht mehr einschlafen zu können. So setzte ich mich (zwischen Trägheit und halbherziger Motivation hin und her gerissen) schon früh vor den Rechner, und alles deutete zu diesem Zeitpunkt noch darauf hin, dass es ein ausgesprochener Gammeltag werden würde. 

Irgendwie musste ich dann aber doch den Hintern hochbekommen haben. Denn so richtig realisierte ich das erst, als ich schon im RE2 saß und mich tatsächlich auf dem Weg nach Osnabrück befand. Schon des Öfteren hatten sich spontane Aktionen wie diese im Nachhinein als gute Idee erwiesen - und den Wittekindsweg abzuwandern, gehörte ohnehin zu meinen bevorzugten Plänen. Entsprechend war die Ausarbeitung der Etappen und ÖPNV-Verbindungen (wie bei vielen anderen "schlafenden" Projekten) längst fertiggestellt, und ich brauchte den Dateikoffer mit allen benötigten Informationen nur noch auf mein Handy zu schieben. 

Für das Gelingen dieses ersten Tages war es aber wichtig, zunächst einmal pünktlich in Osnabrück anzukommen. Denn der Erfolg meiner späteren Rückkehr von Engter aus, einem ziemlich abgelegenen Ortsteil von Bramsche, hing einzig und allein von einer äußerst selten verkehrenden Buslinie ab. So gestaltete sich das Zeitfenster dazwischen relativ eng, zudem sollte am Nachmittag das Wetter umschlagen und nicht unbeträchtliche Regenmengen mit sich bringen. 

Vom Hauptbahnhof aus machte ich mich zunächst auf einen individuellen Zuweg zum historischen Rathaus. Hier setzt die Wegführung offiziell ein, über die allerdings gleich zwei verschiedene GPX-Varianten im Netz kursierten. Zur Sicherheit legte ich im Navi beide übereinander und hoffte, dass mir die Markierungszeichen vor Ort konkret weiterhalfen. Die aber machten es stattdessen noch konfuser, indem sie mich auf eine dritte, mir bis dahin völlig unbekannte Route schickten. 

Ich erzähle es ja nicht zum ersten Mal, aber nachträgliche Verlegungen von Wanderrouten bringen eigentlich immer nur Verschlechterungen mit sich. Weshalb ich mich dann heute entschied, spontan diesen Markierungszeichen zu folgen, weiß der Himmel. Als ich nämlich feststellte, durch diese Schnaps-Idee den historischen Hasefriedhof aus dem 19. Jahrhundert verpasst zu haben, war es für eine Umkehr schon zu spät. 

Rechtzeitig, bevor sich der Weg an die Nette gesellt, finden die unterschiedlichen Routen aber wieder zusammen, auch wenn es im Verlauf noch zu weiteren Abweichungen kommt. So oder so folgt man dem kleinen Fluss aber nun mit kleinen Unterbrechungen, bis sich der Weg nördlich des Wallfahrtsortes Rulle endgültig von ihm trennt. Und die Beschilderung wird nach der anfänglichen Irritation ebenfalls besser. 

Auch sakrale Elemente gab es heute zu bestaunen. Erstmals mit "St. Angela", nachdem die alte Klostermauer zunächst noch die Sicht auf den eigentlichen Komplex verhinderte, sich aber später mit einem Blick zurück das gewaltige Ausmaß der Klosteranlage erkennen ließ.

Während die Nette immer wieder mäandert und dabei kleine Teiche bildet, gelangte ich aus dem urbanen Umfeld von Osnabrück hinaus in Wald und Flur. Der Wittekindsweg ist auf seinem gesamten Verlauf übrigens ein Teilstück des Europäischen Fernwanderwegs E11, auf dem man - sofern mit entsprechender Zeit und Kondition ausgestattet - von Scheveningen bis nach Tallinn wandern kann.

Nachdem es leicht abschüssig wieder unmittelbar an den Bach herangeht, erkennt man dort zwischen den Ästen der Bäume die Kapelle von "Gut Nette". Etwas weiter erwartete mich mit den "Oestringer Steinen" dann ein archäologisch bedeutsames Denkmal, bei dem es sich um die Überreste von Gräbern handelt, die aus der Jungsteinzeit stammen. Im Laufe der zahlreichen Jahrhunderte haben sie aber mutmaßlich oft dadurch gelitten, dass Landwirte die Steine immer wieder zu zerlegen oder beseitigen versuchten, weil sie bei der Feldbestellung ständig im Weg lagen. 

Etwas später wechselte ich auf die andere Seite der Nette und folgte ihr durch einen Wald weiter bis "Knollmeyers Mühle". Dort verlässt man das Tal und gelangt auf einem asphaltierten, etwas höher gelegenen Wirtschaftsweg nach Rulle. Ein Ort, der zunächst durch einen weiteren malerischen Nette-Abschnitt besticht und dann mit seiner architektonisch imponierenden Wallfahrtskirche "St. Johannes" für einen echten Hingucker sorgt. 

Nördlich der L 109 erfährt der Wanderer dann, dass die unmittelbar über den Piusberg verlaufende Passage wegen eines äußerst schlechten Wegeabschnitts dauerhaft umgeleitet wird, wovon auch der Hünenweg und die Route des "DiVaWalk" betroffen sind. So umgeht man die Erhebung stattdessen auf östlicher Seite. Aber spätestens an jener Stelle, wo ich richtig in den Wald eintauchte und sich das wohlige und langersehnte Einsamkeitsgefühl in mir auszubreiten begann, ließ der Weg unverkennbar auch die Höhenmeter spüren, die hier erstmals ins Wiehengebirge hinein aufzusteigen sind. 

Nach der Überschreitung des Kamms erreichte ich auf der nördlichen Seite die "Clemens-Arkenstette-Hütte", an der ich nach 20 Kilometern meine erste Etappe abschloss. Denn nur wenige hundert Meter von hier hatte ich jene Bushaltestelle ausgemacht, von der es (wenn auch nur zweistündlich) mit der Buslinie X585 eine Direktverbindung zurück nach Osnabrück gab. 

Vom Charakter her hat mich der heutige Weg übrigens sehr an den Beginn der Hermannshöhen erinnert. Auch dort leitete die erste und noch relativ flache Etappe den Fernwanderweg ein, bevor sie kurz vor ihrem Ende erstmals Bekanntschaft mit dem eigentlichen Gebirgskamm machte und ihm dann konsequent zu folgen begann.
Und das würde an dieser Stelle auch für den weiteren Verlauf des Wittekindsweg noch einiges erwarten lassen!


Höhenprofil

Der Hauptbahnhof von Osnabrück

An der Hase durch die Stadt

Das historische Rathaus, wo der Wittekindsweg beginnt.

Die Hase

Der Pernickelturm

Die Gertrudenkirche

Staudengarten

Bürgerpark

Kloster "St. Angela"

Es geht an der Nette entlang

Die Kapelle von "Gut Nette"

Die Oestringer Steine

"Knollmeyers Mühle"

Das Wiehengebirge kommt in Sicht

Die Wallfahrtskirche "St. Johannes" in Rulle

Am Piusberg

Paul-Voßkühler-Hütte

Erstmals auf dem Kamm des Wiehengebirges

"Clemens-Arkenstette-Hütte" am Ende der Etappe


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