Von Vaalserquartier bis Kornelimünster
Startpunkt
Zielpunkt
Bushaltestelle "Vaals Grenze"
52074 Aachen (Vaalserquartier)
Bushaltestelle "Kornelimünster"
52076 Aachen (Kornelimünster)
Nur wenige Tage, nachdem ich von der Existenz des neuen "Aachener Gipfelsteigs" erfuhr, schrieb mich mein in jener Region beheimateter Freund Jochen an, ob ich zufällig Lust hätte, genau diese 52 Kilometer lange Rundtour mit ihm zu bestreiten. Und weil sich das Projekt gut in meinen Zeitplan integrieren ließ, sagte ich zu.
Entgegen der Vorgabe des DAV schlug Jochen eine alternative Etappen-Einteilung vor, mit der wir noch optimalere Anschlüsse an den ÖPNV erzielen konnten. Diese Umgestaltung führte allerdings auch dazu, dass der Löwenanteil aller Höhenmeter, die der gesamte Trails in Petto hielt, gleich am ersten Tag bewältigt werden musste.
Um 6:30 Uhr trafen wir uns im Aachener Stadtteil Vaalserquartier. Dort, wo das dreiteilige Abenteuer in unmittelbarer Nähe der Niederländischen Grenze seinen Anfang nahm, stießen wir schon nach wenigen Schritten auf die "Kleng Wach": Ein ehemaliges Zollamt, das 1890 erbaut wurde und in dem heute das kleinste Museum der Niederlande untergebracht ist.
Vorerst blieb die Grenze (wenn auch unsichtbar) in unserer Nähe, während wir das Wohngebiet verließen und in südliche Richtung der hügelreichen Region des Aachener Waldes zustrebten. Weil die vorgegebene Route aber nicht markiert ist und sich der Weg oftmals auch die eine oder andere kaum nachvollziehbare Kursänderung erlaubt, wird ein regelmäßiger Blick auf das Navi zur Pflicht. So verlässt er - aus welchem Grund auch immer - noch vor dem Vaalserberg den Hauptweg, nur, um sich für hundert Meter durch den mannshohen Farn zu schlängeln. Warum genau, bleibt sein Geheimnis, doch es erhöht den Spaßfaktor ungemein.
Dann standen wir auf dem Vaalserberg. Mit seinen 323 Metern nicht nur höchster Punkt der Niederlande, sondern auch Teil des an Belgien und Deutschland grenzenden Dreiländerecks. "Nicht ganz!" holte Jochen aus und gab mir einen ziemlich erstaunlichen Einblick in die Geschichte von "Neutral-Moresnet": Einem 3,4 Quadratkilometer großen Territorium, das wegen Uneinigkeiten bei der Grenzziehung zwischen 1816 und 1919 tatsächlich einen neutralen Status erhielt und - militärisch unbesetzt - in dieser Zeit vom Vereinigten Königreich der Niederlande, Belgien und Preußen (ab 1871 dann vom Deutschen Reich) gemeinsam verwaltet wurde.
Heute lenkt man hier seinen Fuß über Belgisches Gebiet, wo der Hauptweg schon bald an einem Pilgerkreuz durch ein südostwärts strebendes Pfädchen abgelöst wird. Immer wieder säumen alte und verwitterte Grenzsteine den Weg. Auch dort, wo die Gravuren "B" und "D" - verlässlich und korrekt - unsere Rückkehr nach Deutschland signalisierten.
Dem Wald dagegen sind künstliche Grenzen naturgemäß schnuppe. Wie zur Bestätigung - etwas abseits des Weges und von Farn überwuchert - erinnert "Bunker 153" als Teil des früheren Westwalls daran, in was für eine Katastrophe solch ein von Menschen erdachtes Konstrukt führen kann.
Die Route aber - und das merkten wir schnell - ist richtig gelungen! Die urwaldartige Idylle wird sich sogar noch steigern, kaum dass man die B 264 und die Entenpfuhler Brücke hinter sich hat.
Nach etwa zehn Kilometern (und damit ungefähr zur Hälfte) empfahl sich die Schutzhütte "Siebenwege" als idealer Pausenort. Nur wenige Meter weiter erreichten wir frisch gestärkt den Steineknipp und überschritten so den mit 358 Metern höchsten Etappen-Punkt.
Das Abenteuerpotential blieb überwältigend - dank des hohen Pfadanteils, eines wurzelreichen Bodens und vieler weiterer, abwechslungsreicher Eindrücke. Ob es sich bei einigen zum Teil sehr markanten Furchen, die den Wald durchzogen, um trockengefallene Bachtäler oder alte Schützengräben handelte, brachten wir nicht in Erfahrung.
Östlich der B 57 wartete dann mit dem Königsberg die letzte Herausforderung. Zwar misst er 65 Meter weniger als der Steineknipp, dafür kraxelt man aber ungleich steiler hinauf. Mit der Kreuzung "Siebenpfade" passierten wir im Anschluss einen weiteren potentiellen Pausenplatz, doch wir strebten lieber weiter bis zur Pionierquelle.
Ab hier zeigt der Weg dann seinen ersten, auffallenden Charakterwechsel. Das Höhenprofil flacht deutlich ab, und aus den Pfaden werden breitere Wege, die (statt den Blick auf das anspruchsvolle Gelände richten zu müssen) nun zum zielstrebigen Marschieren einladen.
Nachdem uns das ausgetrocknete Bett des Beverbachs einmal mehr daran erinnerte, dass der Klimawandel im vollen Gange ist, tauchte rechts des Weges das ehemalige "Camp Gabrielle Petit" auf. Doch die einstige, nach einer Belgischen Nationalheldin benannte Kaserne hat sich längst in ein "Lost Place"-Areal verwandelt.
Auf den folgenden 500 Metern waren wir bemüht, an der Hitfelder Straße entlang den unattraktivsten Teil der Etappe schnell hinter uns zu bringen. Auch der Wald hatte sich inzwischen verabschiedet. An seine Stelle waren Wiesen und Weiden getreten, durch die wir auf heckengesäumten Wirtschaftswegen unserem Tagesziel nun stetig näherkamen.
Das erste sakrale Gebäude, das uns in Kornelimünster empfing, war die noch recht außerhalb gelegene Neue Benediktiner-Abtei. Die Propsteikirche "St. Kornelius" und die ehemalige Reichsabtei im Ortszentrum setzten dann zumindest architektonisch noch mal richtig eins drauf.
Geflasht von dieser tollen Etappe, die sich weitaus schöner erwies als erwartet, wandten wir uns in Form erfrischender Radler und leckerer Pfannekuchen unserer wohlverdienten, kulinarischen Belohnung zu. Und die Entscheidung, Etappe 2 bereits in wenigen Tagen in Angriff zu nehmen, war schnell getroffen.
Höhenprofil
Fitness-Level