Der Wittekindsweg (7) Die Habichtswand und der Königsberg

Von Bergkirchen bis Porta Westfalica



Mittwoch,
08.04.2026

Kilometer
13,7

Höhenmeter
↑ 211 / ↓ 325

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Startpunkt

Zielpunkt

Hotel "Wittekindsquelle"
Bergkirchener Straße 476
32549 Bad Oeynhausen (Bergkirchen)

Bahnhof Porta Westfalica
32457 Porta Westfalica


Der Tag begann mit einem opulenten Frühstück. Und leichtsinniger Weise tat ich mich neben allen gewohnten Cerealien auch an den verschiedenen hausgemachten Dips, einer doppelten Portion Rührei und dem frisch gebratenen Bacon gütlich. Erst viel zu spät hatte ich darüber nachzudenken begonnen, wie sich unter diesen Umständen überhaupt noch die vor mir liegende Etappe bewältigen ließ. 

"Auf dem Berg" war dann passender Weise auch der Name jener Straße, die mich zunächst aus dem kleinen Ort heraus leitete und dabei (wie konnte es anders sein?) prompt in einen noch steileren Waldweg überging. Immerhin kam ich so trotz der morgendlichen Kälte schnell auf meine passende Betriebstemperatur - und auf dem Plateau des Haddenhauser Bergs mitsamt meines beträchtlichen Völlegefühls erst einmal schnaufend zum stehen. 

Der letzte wirklich nennenswerte Aufstieg war somit geglückt. Denn obwohl die Karte noch eine ganze Reihe von Erhebungen versprach, sollte die restliche Strecke bis zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal dank des schon jetzt erreichten Höhenrückens nur noch mit moderater Mühe verbunden sein. 

Ganz im Gegenteil präsentierte sich die einsetzende Waldpassage überraschend entspannt. Die Beschilderung blieb zuverlässig, auch wenn im Grunde nur dem Hauptweg zu folgen war. Eine kleine Taldelle (im Niederdeutschen auch als "Döre" bezeichnet und die als Pass zwischen zwei Gebirgskämmen dient) kündigte die Lutternsche Egge an. Hier weicht ein kurzer Abstecher nach links zu einem ersten lohnenden Aussichtspunkt ab, der oberhalb eines Sandsteinbruchs liegt.

Die nächste große Fernsicht wartet am "Wilden Schmied". Allerdings scheint das Waldgasthaus nur an Wochenenden geöffnet zu sein. Gleichwohl ermöglicht die Terrasse erstmals einen tollen Blick auf die Weser - direkt neben einem granitsteinernen Adler. Und damit sind wir erst beim Auftakt vieler weiterer prächtiger Ankerpunkte, die den Wanderer auf den finalen Kilometern des Wittekindswegs erwarten. 

Ein besonderes Highlight geologischer Art ist die Habichtswand: Eine markante Felsklippe, die den 246 Meter hohen Königsberg an seiner südlichen Seite steil abfallen lässt. Zum Teil begehbar, wirkt sie von unten betrachtet noch um ein Vielfaches imponierender als vom Weg aus.

Nur einen Kilometer weiter erreicht man gleich zwei kulturelle Besonderheiten. Zum einen führt ein Steig zu den Grundmauern einer einstigen Kreuzkirche aus dem 10. Jahrhundert hoch, deren Fundament inzwischen von einem gläsernen Pavillon geschützt wird. Zum anderen findet sich unterhalb des Wittekindsweges die gut erhaltene, erstmals im Jahre 1224 erwähnte "Margarethenklus" - eine Kapelle, die früher Teil eines Frauenklosters war.

Von der einstigen, aus vorchristlicher Zeit stammenden Wittekindsburg sind dagegen nur noch Wallreste zu sehen. Im Bereich der gleichnamigen Ausflugsgaststätte entschädigt aber schon bald ein weiterer schöner Aussichtspunkt auf die Weserlandschaft dafür.

Mit dem 282 Meter hohen Wittekindsberg eröffnet das Wiehengebirge dann sein begeisterndes Finale. Der 1829 an dieser Stelle errichtete Moltketurm lässt sich nach wie vor besteigen. Doch auch bei ihm überragen - wie schon beim Nonnenstein - die Bäume auf Kosten einer gelungenen Sicht inzwischen seine Plattform.

Als nächstes folgt der "Silberblick". Dieser exponierte Punkt liegt allerdings nicht auf den Wittekindsweg selbst, sondern ist über einen nur wenige Meter abseits verlaufenden Pfad erreichbar. Weil sich der aber auch unmittelbar an einer steil abfallenden Hangkante entlang windet, mag man an dieser Stelle von einer deutlich spannenderen Alternative sprechen.

Dann - wie aus dem Nichts - taucht das im Monumentalstil errichtete Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf. Und jeder, der es sonst nur aus dem Zug- oder Autofenster kennt und dabei seinen Blick entsprechend hoch auf den Wittekindsberg richten muss, staunt hier ein weiteres Mal, auf welchem Höhenniveau er auf dem Kammweg des Wiehengebirges eigentlich unterwegs ist. 

Zu meinem Glück war dieser touristische Hotspot aber nur mäßig besucht. So konnte ich zunächst in Ruhe das Gelände erkunden, um mich dann eine ganze Weile dem Blick über das Tal des Weserdurchbruchs hinzugeben. 

Aber ganz am Ziel war ich eben noch nicht. Laut seiner Beschreibung endet der Wittekindsweg nämlich offiziell erst am Wanderparkplatz "Kaiserhof". Und der liegt ganz unten im Tal, so dass es auf den letzten anderthalb Kilometern nebenbei noch eine beträchtliche Anzahl von Höhenmetern abzubauen gilt.

Als ich nach dem erwartungsgemäß steilen Waldweg dann wirklich auf der Portastraße ankam, fand mein Projekt dort aber ein eher nüchternes Ende. Ohne einen weiteren Hinweis zu finden, hörten einfach nur die Markierungszeichen auf. Doch die hatten mich bis auf ganz wenige anfängliche Ausnahmen zuverlässig von Osnabrück bis hierher geführt. 

Bevor ich mich nun auf den Weg zum Bahnhof von Porta Westfalica machte, gönnte ich den von hier unten umso imposanteren Bergen diesseits und jenseits der Weser noch einen letzten, verabschiedenden Blick. An jenem Punkt, wo sich Wiehengebirge und Wesergebirge zum Weserbergland vereinigen und sich nordwärts bis hin zum Meer nur noch die Norddeutsche Tiefebene erstreckt.
Hier, am "Tor zu Westfalen"


Höhenprofil

Das Hotel "Wittekindsquelle" in Bergkirchen

Ausdauernder Anstieg zu Beginn

Blick auf die Weser am "Wilden Schmied"

Auf dem Königsberg

Die Habichtswand

Die "Margarethen-Klus"

Das Fundament der alten Kreuzkirche

Die Gaststätte "Wittekindsburg"

Besteigung des alten Moltketurms

Der Moltketurm

Am "Silberblick"

Ein schöner Pfad leitet das Finale des Wittekindsweges ein.

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica

Schöner Blick auf das Wesergebirge

Der Jacobsberg auf der anderen Seite der Weser

Das Ende des Wittekindsweges am Hotel "Kaiserhof"

Die Weser-Brücke in Porta Westfalica

Der Wittekindsberg am Ende des Wiehengebirges und die Weser


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