Von Eitorf bis Bröl
Startpunkt
Zielpunkt
Bahnhof "Eitorf"
53783 Eitorf
Bushaltestelle "Bröl Kirche"
53773 Hennef (Sieg)
Meine heutige Fahrt ins Siegtal wurde zu einer wahren Geduldsprobe. Während ich zeitweise beim Blick aus dem Fenster dabei zusehen konnte, wie selbst Radfahrer in der Lage waren unseren Regionalexpress überholen, gab mir dies auch genügend Zeit, mich auf die nächste Etappe des Sieghöhenwegs zu freuen. Am Ende grenzte es fast an ein Wunder, dass meine Verspätung nur 60 Minuten betrug, aber die "goldene Stunde", zu der ich eigentlich hatte loswandern wollen, war verpasst.
Während ich dem Zuweg zurück auf die Route folgte, kreisten meine Gedanken aber auch um die Frage, welches besondere Abenteuer wohl heute für Furore sorgen würde. Bis jetzt hatte nämlich fast jede Etappe eines geboten. Spoiler vorweg: So extrem wie auf den letzten Touren wurde es diesmal nicht. Dafür sollten die vor mir liegenden zwölf Kilometer aber mit umso schweißtreibenden Anstiegen überraschen.
Zunächst führt der Weg durch Bourauel, einem der wohl schönsten Ortsteile von Eitorf. Kaum dass die Häuser hinter mir zurückblieben, ging es bergauf. Erst moderat, dann deutlich steiler. Und beim Verschnaufen lohnt sich angesichts der rasch zunehmenden Höhe mehrfach ein Blick über die Schulter.
Am Ende des Anstiegs ist die "Mertener Höhe" erreicht, wo eine fantastische Sicht auf das Siebengebirge für die vorangegangene Mühe belohnt. Und die sagenhaft schöne Brucher Kapelle bei Bohl lädt zu einer Pause ein.
Mit Bruch, Weiden und Balenbach passiert man danach auf nur einem Kilometer gleich drei weitere Weiler. Erst dann geht der lang anhaltende Asphaltabschnitt zu Ende, und ein unbefestigter Wiesenweg beginnt. Der würde trotz mehrfacher Abzweigungen aber unweigerlich in eine Sackgasse führen - gäbe es da nicht jenen kaum zu erkennenden Pfad, auf dem der XS plötzlich nach links in den Wald führt.
Tatsächlich ist diese Route die einzige Chance, ohne riesigen Umweg wieder ins Tal abzusteigen. Mit ihr spielt der Sieghöhenweg dann auch für heute sein erwartetes Abenteuerpotential aus. Zur Abwechslung gibt sich der Pfad aber diesmal nicht zugewachsen oder von umgefallenen Bäumen versperrt, sondern er wird stattdessen über einen extrem steilen Hang, den man so nur selten erlebt, ins Tal des Kellerbachs abfallen. Wanderstöcke sind hier klar von Vorteil.
Kaum hatte ich diese anspruchsvolle Passage gemeistert, regte sich ein überaus wohliges Einsamkeitsgefühl in mir. Denn ich war mir sicher, es mit einem Weg zu tun zu haben, auf den sich nur äußerst selten - wenn überhaupt - andere Wanderer verirrten. Dort aber, wo der Kellerbach in den Marksbach fließt, begannen die gelbe Zuwegmarkierung des Natursteigs und auch das rote Zeichen eines der Sieg-Erlebniswege wieder ins Auge zu fallen. Und betrachtet man das folgende Wegstück, ist das kein Zufall.
Einige Meter voraus ist zu erkennen, dass sich der Wald zugunsten des sonnenbeschienenen Siegufers lichtet. Hier wendet sich der Sieghöhenweg jedoch vorher nach rechts einem Hang zu. Es ist der Stachelberg, mit dem ich schon drei Jahre zuvor auf dem Bergischen Weg Bekanntschaft gemacht hatte. Die damalige Route führte über die Kuppe, und ein unheimlich schöner Blick über das Siegtal hinweg bis in das Siebengebirge kam mir in Erinnerung.
Heute dagegen wurde ich auf einen schmalen Hangpfad geleitet, der sich auf halber Höhe zwischen Sieg und Berggipfel in die Steilwand des Stachelbergs einbettet und zu einem absoluten Highlight der Etappe wird. Fast wie in Rheinsteig-Manier geht es zuweilen zwischen Bergwand und Hangkante entlang, immer wieder mit schönen Blicken auf die Sieg und vielen Wasservögeln.
Leicht abwärts nähert man sich schließlich dem Flussniveau, wo an der dortigen Weggabel Natursteig und Bergischer Weg auf die Route treffen. Beide wenden sich aber schon nach wenigen Schritten wieder ab und folgen der Sieg, während der XS in nordwestliche Richtung einem anstrengenden, aber auch naturnahen Hang folgt und auf Niederhalberg zusteuert.
Obwohl sich die Beschilderung auch diesmal wieder äußerst rar machte, stieß ich heute sogar auf eine Markierungstafel der alten Art, wie man sie heute eigentlich nur noch selten findet. Als ich dann in Niederhalberg ankam, war ich einigermaßen aus der Puste. Doch zum Glück geht es hier prompt wieder bergab - ins Halberger Bachtal hinein.
Die Wiesen und Weiden dort wirken so idyllisch, dass man bei ihrem Anblick an den letzten, bevorstehenden Anstieg gar nicht mehr denken will. Und doch kommt er unweigerlich näher. Über den Rotlandsweg nach Driesch führend, präsentiert er sich tatsächlich als der finale Kraftakt für heute. Das dortige Heiligenhäuschen markiert den Punkt, ab dem es für die letzten anderthalb Kilometer nur noch talwärts geht - bis ins Etappenziel nach Bröl.
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