Von Wissen bis Rosbach
Startpunkt
Zielpunkt
Bahnhof "Wissen"
57537 Wissen (Sieg)
Bahnhof "Rosbach"
51570 Windeck (Rosbach)
Schon nach den ersten fünf Kilometern hatte ich mein heutiges Urteil gefällt. Denn im Vergleich zur letzten Etappe, die auf weiten Strecken einem breiten und vergleichsweise komfortablen Forstweg gefolgt war, hätte der Kontrast nicht gewaltiger ausfallen können. Schon der ungläubige Blicke einiger Schüler, die in der Nähe des Wissener Gymnasiums auf einer Bank saßen und mich in den dort beginnenden, ziemlich verwilderten und äußerst steil abfallenden Pfad abbiegen sahen, ließ erkennen, dass hier schon seit ewiger Zeit kein Mensch mehr entlang gegangen war.
Während ich mich also konzentrierte, auf dem teils steinigen Extremgefälle nicht ins Straucheln zu geraten, begann mein erster Eindruck, der angesichts des hoffnungslos im Autoverkehr erstickenden Örtchens ziemlich negativ ausfiel, schon wieder zu verblassen. Zu sehr hatte mich die Natur mit jenem überraschend markanten Holper Bachtal in ihren Bann gezogen.
In der Talsohle ließ sich tatsächlich noch das schmale, plätschernde Gewässer erkennen. Doch die seit Wochen ausbleibenden Regenfälle haben mitsamt der immer noch anhaltenden Hitze auch hier deutliche Spuren hinterlassen.
Der gleich wieder einsetzende Aufstieg vollzog sich aber weitgehend im Schatten. Oben in Dünebusch angekommen, änderte sich das. Westlich des Ortes kehrt der Wald aber wieder zurück, der hier wegen seines verhältnismäßig hohen Totholzanteils recht abenteuerlich wirkt. Und es sind - ganz nebenbei - die letzten Meter des Sieghöhenwegs in Rheinland-Pfalz.
So wechselt man mit dem Überqueren der L 112 zugleich vom Landkreis Altenkirchen in den Rhein-Sieg-Kreis und somit vom Westerwald ins Bergische Land. Hier, zurück auf Nordrhein-Westfälischer Seite, hat man es dann zunächst mit einem befestigten Wirtschaftsweg zu tun, der dem Bellinger Bachtal folgt und leicht, aber kontinuierlich bergauf führt. Irgendwann weist die verwitterte Inschrift eines alten Steins auf den "Heiligen Brunnen" hin. Und siehe da: er liegt in der gleichen Richtung, die auch der Sieghöhenweg nun einschlägt.
So empfängt der "Heilige Brunnen" den Wanderer dann auch nur wenige hundert Meter weiter mit einem überaus gemütlichen Rastplatz. Die Gelegenheit nahm ich dankend an und brachte in Erfahrung, dass schon unsere Vorfahren aus heidnischer Zeit dem hier zu Tage tretenden Wasser eine besondere Heilkraft zusprachen. Und die soll der Sage nach bis heute nicht verloren gegangen sein.
Eine Rast an dieser Stelle wird sich übrigens als gute Idee erweisen, denn der Aufstieg zieht sich noch bis Halscheid hin. Von dort sucht sich der "XS" dann seinen Weg über Wiesen, passiert ein bewaldetes Tal und erreicht nach einer erneuten Steigung mit der Reiterstraße einen asphaltierten, aber mit grandiosen Fernsichten gespickten Höhenweg. Und der aus den Wipfeln emporragende Turm der Panarbora - den ich als fulminantes Finale meines Bergischen Panoramasteigs noch in guter Erinnerung hatte, scheint auf einmal zum Greifen nah.
Hinter Hurst, das zu Windeck gehört, wartet dann noch ein richtiges Highlight: Ein spektakulärer Hangpfad durch die Südhänge des "Alten Stuhls". Während der kurzzeitig parallel verlaufende Natursteig Sieg die Gipfelroute übernimmt, ruft der Sieghöhenweg zweifellos das anspruchsvollere Niveau von Trittsicherheit ab. Und zwar in einem Maß, das mich an nichts geringeres als den Rheinsteig erinnerte.
Auch wenn der nächstgelegene Bahnhof von Rosbach noch anderthalb Kilometer entfernt war, sah ich an der Silberhardtstraße, wo der XS nordwärts abknickt, die effektivste Möglichkeit, die Etappe zu beenden. Die Alternative wäre gewesen, bis Dattenfeld durchwandern, wo der Bahnhof zwar gleich am Weg liegt, aber dafür fast eine Verdoppelung meines Laufpensums mit sich gebracht hätte. Angesichts des überaus anspruchsvollen Höhenprofils sah ich von dieser Variante dann doch lieber ab.
So machte ich mich stattdessen über den Bachmühlenweg in die Gegenrichtung auf und hatte bis zum Eintreffen meines Zuges noch genügend Zeit, mich an einer ebenso großen wie süßen Rosinenschnecke aus einer nahen Bäckerei gütlich zu tun.
Höhenprofil
Fitness-Level