Von Kirchen bis Wissen
Startpunkt
Zielpunkt
Bahnhof "Kirchen"
57548 Kirchen (Sieg)
Bahnhof "Wissen"
57537 Wissen (Sieg)
Der heutige Abschnitt auf dem "XS" könnte eigentlich rasch erzählt sein. Denn mit der "Alten Poststraße" bedient sich der Sieghöhenweg diesmal auf etwa zehn von 14 Kilometern eines zielstrebig-schnörkellosen Forstweges. Der aber ist (abgesehen von seiner vergleichsweisen Eintönigkeit) immerhin äußerst geschichtsträchtig.
Schon im 17. Jahrhundert wurde dieser Weg für die Briefbeförderung genutzt. Während man die Distanz heute gemütlich und störungsfrei abwandern kann, mussten damalige Boten, Postreiter und Fuhrleute wegen der vielen autonomen Herrschaftsgebiete und Fürstentümer gleich mehrere Zollschranken passieren, bevor sie ihr (eigentlich gar nicht so weit entferntes) Ziel erreichten. Plünderungen, Wolfsangriffe, aber auch immer wieder durch die vielerorts auftretenden Steilhänge bedingten Unfälle waren bis ins 19. Jahrhundert weitere Gefahren. Als dann schließlich im Jahr 1876 die infrastrukturelle Erschließung des Siegtals begann, verlor der Weg rasch an Bedeutung.
Bevor man auf diese historische Route gelangt, sind - aus Kirchen heraus - aber zunächst einmal an die 120 Höhenmeter zu bewältigen. Trotzdem hat der hinter dem Wohngebiet einsetzende Pfad richtig Charme. Und fast zeitgleich mit der Kreuzung, an der man nach rechts auf die "Alte Poststraße" wechselt, hat auch der Anstieg ein Ende.
Untypischer Weise bleibt das Höhenniveau nun für die nächsten zehn Kilometer weitgehend bestehen. Der Weg aber wird sein Gesicht zwischendurch grundlegend verändern - sobald man in den Einflussbereich des Örtchens Katzwinkel kommt. Das unangenehmste Wegstück nehmen hierbei zweifellos die 500 Meter entlang der Kreisstraße ein, bevor am Ortseingang endlich wieder ein rettender Gehweg beginnt.
Ohne dass sie ihre Richtung ändert, durchquert die Alte Poststraße nun auf gut einem Kilometer den Ort, dann kehrt man wieder in den Wald zurück. Hier taucht links ein kleiner Stichweg auf, an dessen Ende ein sagenhafter Aussichtspunkt auf die Sieg besucht werden will.
Nur wenige Meter weiter folgt ein Kuriosum, denn für etwa 300 Meter wird der Sieghöhenweg die Alte Poststraße nun tatsächlich einmal verlassen. Warum ausgerechnet hier, bleibt sein Geheimnis, doch der rechts abgehende, deutlich naturnähere Pfad lohnt sich im Vergleich zu der fast durchgängigen Forstautobahn absolut. Und fast will jener Moment bedauerlich wirken, an dem man zurück auf den Hauptweg gelangt.
Das folgende Stück bietet keine wesentlichen Abwechslungen mehr. Dafür finden an einer Kreuzung Höhenweg und Natursteig vorübergehend wieder zusammen. Das hat einen Grund, denn kurz vor dem Ende der Etappe gilt es noch für beide Routen, den Kucksberg zu erklimmen. Kaum oben, setzt auch schon wieder das finale Gefälle nach Wissen ein. Und nach der verhältnismäßig langen, ebenen Passage bleibt die kurze, aber immerhin 287 Meter hohe Erhebung um so fordernder im Gedächtnis.
Der Zuweg, den ich dann in Richtung des Wissener Bahnhofs einschlug, führte über die Walzwerkstraße und war ziemlicher Mist. Denn zu spät hatte ich erkannt, dass es eine mutmaßlich viel schönere Variante durch das Ortszentrum gab. Aber vielleicht nehme ich die ja noch, wenn ich das nächste Mal von hier aus starte.
Höhenprofil