Von Wilnsdorf bis Mudersbach
Startpunkt
Zielpunkt
Bushaltestelle "Rödgen Schalthaus"
57234 Wilnsdorf
Bahnhof "Mudersbach"
57555 Mudersbach
Drei Monate hat es fast gedauert, bis ich mit der heutigen Tour die Fortsetzung des Nördlichen Sieghöhenwegs aufnahm. Doch an den Unwägbarkeiten, mit denen ich bei diesem aufgegebenen und nicht mehr betreuten Wanderweg stets rechnen muss, ändert das nichts.
Im Gegenteil: Das Markierungszeichen, dessen regelmäßiges Vorhandensein bei Etappe 1 noch ziemliches Erstaunen bei mir auslöste, blieb diesmal weitgehend unsichtbar. Von alten und verblassten Farbfragmenten abgesehen, die sich auf einzelnen Bäumen noch erkennen ließen, begegneten mir die deutlich sichtbareren Aufkleber nur in Rinsdorf - und dann erst wieder kurz vor Mudersbach.
Der Neubau der Talbrücke Rälsbach führte dann dazu, dass sich die Routenführung unter ihr geringfügig verschob. Und ein Gatter - mit entsprechenden Verhaltensanweisungen versehen - versuchte dafür zu sorgen, das Virus der Afrikanischen Schweinepest unter Kontrolle zu halten.
Nachdem ich in Rinsdorf die Talsohle und den kleinen Heckenpach passiert hatte, stieg das Gelände prompt wieder an. Ein schöner Feld- und Wiesenweg schlängelt sich hier den Hang hinauf, und an der Fünf-Wege-Kreuzung nahm dann zu meiner Freude ausgerechnet der kleinste Pfad den XS auf.
Damit setzt zugleich auch der zweifellos schönste Abschnitt des Tages ein. Der Pfad mündet später zwar wieder auf einen breiteren Weg, doch die Waldpassage bleibt äußerst angenehm. Das, was hinter der L531 aber über das Wandererherz hereinbrechen wird, ist der blanke Horror.
Nach dem Überqueren der Straße kündigt noch ein Schild zahlreiche Attraktionen an, die für Wanderer durchaus interessant sind. Nur wenige Schritte weiter westlich wird man dann Zeuge, wie die sanften Hänge des knapp 500 Meter hohen Pfannenbergs für eine geplante Windkraft-Anlage brachial auf links gedreht werden.
Nur zur Klarheit: Ich bin ohne jeden Zweifel von der Alternativlosigkeit erneuerbarer Energiegewinnung überzeugt. Aber wer im Siegerland mit eigenen Augen sieht, welche Dimension der Naturzerstörung ein Aufbau von gerade einmal vier Windrädern mit sich bringt, kann diese Art der Stromerzeugung (Wiederaufforstung hin oder her) einfach nicht mehr richtig finden. Denn es misst unfassbare vier Kilometer, bis das geschundene Gebiet - noch an der Kreuzeiche und den Römelskopf vorbei - an sein Ende kommt: an der Grenze zu Rheinland-Pfalz.
Trotzdem gelang es mir aber auch, mich für die phänomenalen Weitsichten zu begeistern, die durch die erreichte und dann mehr oder weniger gleichbleibende Höhe bis hierher lange angehalten haben. Doch mit dem Wechsel in das benachbarte Bundesland (und einem ersten Blick auf mein Tagesziel Mudersbach) begann sich der Weg nun konsequent talwärts zu neigen. Und es erwartete mich nach der gleißenden Sonne auf dem kahlen Höhenzug endlich wieder ein schattiger Wald.
Der schöne, zugleich auftauchende Rastplatz kam mir deshalb sehr gelegen. Ein Blick in die Karte verriet mir zudem, dass sich die "Hohe Ley" samt ihres Felsenkreuzes kurz vor mir nahe am Weg befand und sicher einen Abstecher wert sei. Das bestätigte sich dann auch.
Ein weiterer schöner Aussichtspunkt auf Mudersbach (samt einer "Baumelbank") leitete schließlich den letzten Teil des Abstieges ein, der nicht mehr wirklich spektakulär war. Die Sieg als namensgebender Fluss kam mir heute aber nicht zu Gesicht.
Mit dem Erreichen des Ortes hatte ich eine weitere Etappe des Sieghöhenwegs bewältigt. Zugleich stand ich aber auch am östlichen Beginn des "Natursteigs Sieg", der einen wesentlich höheren Bekanntheitsgrad genießt und entsprechend populärer ist. Nur - welcher der Routen sollte ich nun folgen? Letztlich egal. Denn wie ich mich kenne, werde ich - irgendwann - ohnehin beide gewandert sein :-)
Höhenprofil