Von Netphen bis Wilnsdorf
Startpunkt
Zielpunkt
Bushaltestelle "Siegquelle"
57250 Netphen
Bushaltestelle "Rödgen Schalthaus"
57234 Wilnsdorf
Mit dem "Nördlichen Sieghöhenweg" habe ich mir diesmal eine Route vorgenommen, die es offiziell gar nicht mehr gibt. Einst vom Sauerländischen Gebirgsverein betrieben, ist der Weg im Jahr 2014 nämlich das Opfer einer sogenannten "Wegenetz-Überarbeitung" geworden. Und dass nur drei Jahre zuvor in der gleichen Region der "Natursteig Sieg" an den Start ging und inzwischen den Status eines "Qualitätswanderwegs" genießt, dürfte entscheidend dazu beigetragen haben, dass die Nordvariante des Sieghöhenwegs in Vergessenheit geriet.
Der "Südliche Sieghöhenweg" dagegen wird bis heute vom Westerwald-Verein gepflegt. Doch wie der "Natursteig Sieg" bleibt auch er mit seiner Route, die erst bei Kirchen einsetzt, dem Wanderer eines der wohl wesentlichsten Attribute seines namensgebenden Flusses schuldig: das Quellgebiet. Diesem nicht unerheblichen, ja sogar entscheidenden Detail wird (zumindest meines Wissens) einzig und allein der "Nördliche Sieghöhenweg" gerecht. Denn er startet gleich neben der Siegquelle, in 650 Metern Höhe, auf dem Rothaarkamm.
Für jemanden wie mich, der noch nie ein Anhänger halber Sachen war, musste dann auch jener Moment, als ich von der Existenz dieses einstigen Weges erfuhr, wie ein Marschbefehl wirken. Und kaum, dass mich der SB5 an einer der einsamsten Bushaltestellen abgesetzt hatte, die man sich im Rothaargebirge vorstellen kann, traf mich erneut jene euphorisierende Erkenntnis, dass in diesem Moment tatsächlich wieder ein neues Wanderabenteuer begann.
Nachdem ich ihr leises Plätschern bereits vernahm, entdeckte ich kurz darauf die Siegquelle tatsächlich. Ein ausgehöhlter Baumstamm leitet das Rinnsal auf seinen ersten Metern einem Steinquader zu, wo das Wasser durch eine Mulde fließt und schließlich auf den Waldboden perlt. Hier macht es sich dann auf seinen 155 Kilometer langen Weg in Richtung Rhein.
Nach einer ersten anfänglichen Waldpassage lichtet sich die Szene, wo auch die bereits sichtlich angeschwollene Sieg wieder in Erscheinung tritt. Bis Walpersdorf geht es nun kontinuierlich bergab. Dann folgt eine leicht hügelige Wiesenlandschaft, bis sich der Weg oberhalb von Nenkersdorf zu einem Pfädchen verjüngt und einem steilen Hang hinab folgt. Im Ort nutzte ich dann eine einladende Bank am idyllischen Froschteich, um zu frühstücken.
Für einen aufgegebenen Wanderweg ist die Beschilderung in vielen Bereichen noch überraschend gut intakt. Doch aus Nenkersdorf heraus bekommt man es erstmals mit einem Wiesenabschnitt zu tun, auf dem sich die Route - zumindest für das Auge - vorübergehend völlig verflüchtigt. Im Zweifel hilft rechterhand der Altwiesenbach bei der Orientierung, bis man links abbiegend neben einem Weidezaun wieder auf den nächsten Weg trifft.
Der führt zunächst asphaltiert nach Grissenbach, dann - wieder naturnah - bis Deuz, wo der Wanderer aus unerfindlichen Gründen erst auf die andere Seite der Albert-Irle-Straße, und kurz darauf auch schon wieder zurückgeführt wird. Egal, denn hinter der Ampel wartet das erste, nennenswerte Abenteuer. Hier, wo der Weg ein weiteres Mal sich selbst überlassen wurde, geht es durch entsprechend zugewachsene Passagen und über umgefallene Bäume hinweg einem Hangweg entlang.
Was dann folgte, war ein überaus schweißtreibender Aufstieg von 130 Metern, den ich als ziemlich herausfordernd empfand. Doch auf der erreichten Kuppe belohnt eine Wahnsinns-Aussicht über das Siegerland und auf das im Tal liegende Flammersbach. Die Ortschaft selbst streift man aber nur, bevor ein kurzes Waldstück in die nächste, herrliche Wiesenlandschaft hineinleitet.
Kurz hinter einem malerischen Mühlenweiher erreichte ich schließlich Niederdielfen. Hier besteht am Friedhof die Möglichkeit, seinen Trinkwasservorrat aufzufüllen. Im Anschluss wird man auf dem Marienweg durch ein Wohngebiet geführt, hinter dem noch ein weiterer anstrengender Abschnitt bis Obersdorf zu bewältigen ist. Hier markierte dann die Bushaltestelle "Rödgen Schalthaus" mein selbst gestecktes Ziel dieser ersten Etappe.
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Fitness-Level