Von Dattenfeld bis Eitorf
Startpunkt
Zielpunkt
Bahnhof "Dattenfeld"
51570 Windeck (Dattenfeld)
Bahnhof "Eitorf"
53783 Eitorf
Mit jeder Etappe, die mich bis jetzt auf dem Sieghöhenweg in westliche Richtung vorangebracht hat, nahm auch das Abenteuerpotential stetig zu. Das lag vor allem an jenen Passagen, die seit der Aufgabe dieses einstigen Fernwanderwegs nicht mehr instand gehalten werden und seitdem (zum Teil geradezu dschungelartig) verwildern.
Dabei hatte ich heute nur wenige Minuten zuvor noch über die Arbeit gestaunt, mit der man sich im idyllischen Örtchen Rossel an der mühsamen, aber nicht ganz erfolgreichen Entfernung eines seiner früheren Markierungszeichen versucht hat. Warum, wird kurz darauf deutlich.
Nachdem die Tour nur zwei Kilometer zuvor am Bahnhof von Dattenfeld ihren noch völlig harmlosen Anfang nahm und man Wilberhofen und eben auch Rossel bereits hinter sich ließ, zweigt der XS plötzlich nach links vom Hauptweg ab - in einen scheinbar undurchdringlich zugewachsenen Hang hinein. Die Erkenntnis, eine Machete hätte die heutige Standardausrüstung zumindest sinnvoll ergänzt, überkam mich beim Anblick der hochgewachsenen Farne und vieler querliegender Bäume mit beeindruckender Wucht.
So stand ich zunächst da - hin und her gerissen zwischen rationalem Erkenntnisvermögen und ungezügelter Abenteuerlust. Und mein kleiner Mann im Ohr begann vehement auf mich einzuflüstern, dass es hier und jetzt vielleicht doch mal die bessere Idee sein könnte, nach einer alternativen Route zu suchen. Also tat ich es - zumindest pro forma - und fand auf der Karte tatsächlich eine mutmaßliche Lösung.
Der richtige Weg, das sah ich auf Anhieb, würde jedenfalls schon nach wenigen Metern kein Durchkommen mehr erlauben. Doch etwas weiter links - war das kein Pfad? Nur ansatzweise zu erkennen, noch dazu steiler, und das Geäst mehrerer quer ineinander verkeilter Bäume gleich am Anfang sollte noch ein weiteres Hindernis für mich darstellen. Ermutigt aber durch die Tatsache, dass ich auf meinem langen Weg vom Rothaarkamm bis hierher eigentlich jede schwierige Situation gemeistert hatte, wollte ich es auch diesmal versuchen. Mitsamt der Hoffnung, möglichst rasch auf den nur wenige Meter entfernten Sieghöhenweg zurückzufinden. So weit die Theorie.
Am Abend beschrieb ich die Aktion in meinem Tagebuch dann als "erfolgreiches Desaster". Erfolgreich deshalb, weil ich tatsächlich irgendwann am oberen Ende des bis dahin immer unwegsamer werdenden Hanges ankam und auf dem anvisierten Wirtschaftsweg stand. Andererseits desaströs, weil der Pfad dorthin schon weitaus früher im Nichts geendet hatte und die folgenden zweihundert Meter von einem immensen Dornengeflecht vereinnahmt waren, das sich immer wieder hartnäckig um meine Füße und Beine schlang.
Am Ende jedenfalls bot ich ein ziemlich ramponiertes Bild, was letztlich dazu führte, den wie immer live aufgezeichneten Track an dieser Stelle anzupassen und die kritische Passage gegen den einzig in Frage kommenden Umweg auszutauschen. Der verlängert die Tour zwar jetzt um 800 Meter, doch er ist (bitte glaubt es mir) definitiv die klügere Wahl.
Noch vor dem kleinen Örtchen Roth ist man auf die eigentliche Route zurückgekehrt. Während sich die wenigen Häuser an einer Hand abzählen lassen, stellen sich dank der erreichten Höhe mehrfach schöne Weitblicke über die hügeligen Wiesen ein - und heute auch auf das malerisch in Nebel gehüllte Siegtal. Zugleich geht es in Richtung Gutmannseichen und Altenherfen voran.
Dann folgt ein Waldstück, in dem der Weg an einem gewissen Punkt den Wanderer dazu verleitet, in die falsche Richtung zu gehen. Mir passierte es nämlich auch, wurde zum Glück aber rasch auf den Fehler aufmerksam. Ausgerechnet eine Rückegasse brachte mich wieder auf die richtige Spur - und in der Tat wäre es sehr schade gewesen, den hier talwärts führenden Pfad zu verpassen.
Hinter Lüttershausen bewegt man sich wieder an einem Waldsaum entlang und hat nach links weitere tolle Fernsichten. Ein Heiligenhäuschen ganz in der Nähe des Hensbergs lädt zur Rast ein, bevor ein Waldweg konsequent ins Tal des Ottersbachs führt. Und das in steter Gewissheit, fast alle Höhenmeter im Anschluss wieder hochwandern zu müssen.
In Mittelottersbach lief mir dementsprechend schon der Schweiß herunter, doch die Kühe auf der nachfolgenden Weide beäugten mich mit relativer Gleichgültigkeit. Immerhin präsentiert sich an der Hubertuskapelle ein nächster schöner (und vor allem schattiger) Pausenort.
Drei weitere Kilometer sind es dann bis Oberbohlbach, auf denen sich der Weg leicht abfallend erneut durch den Wald schlängelt und nur kurz vor dem Ort zum letzten Mal für heute etwas ansteigt. Es folgt ein kurzer sonniger Asphaltabschnitt, und wie schon mehrfach, trifft man auch hier mal wieder für eine Weile auf das blau-weiße Logo des Natursteigs.
Durch das Tal des Überbuschbaches näherte ich mich schließlich ganz entspannt Eitorf. Nur das anschließende Stück an der L86 entlang ist für Wanderer blöd. Am Straßendreieck von Schmelze verließ ich den Sieghöhenweg dann für heute und machte mich auf in die Richtung des Bahnhofs.
Höhenprofil
Fitness-Level