Startpunkt
Zielpunkt
Bahnhof "Haltern am See"
45721 Haltern am See
Bahnhof "Maria Veen"
48734 Reken (Maria Veen)
Auf dem X6 wird die Innenstadt von Haltern nur am Rande passiert. Bis man die Stadt aber wieder verlässt, dauert es eine Weile. Besonders die Sundernstraße wird zu einer echten Geduldsprobe - dann kehrt mit dem Waldgebiet der Hohen Mark die Natur zurück.
Sanft, aber kontinuierlich, steigt das Gelände hier an. Und wenn sich eine Eigenschaft der X-Wege zu bestätigen scheint, dann dass ihre Strecken auf Zielstrebigkeit bauen und scheinbar jeden nennenswerten Umweg vermeiden. Ganze sechs Kilometer hat man auf der heutigen Tour nämlich schon hinter sich gebracht, bevor an der Rekener Straße nach links die erste wesentliche Richtungsänderung erfolgt.
Hier, auf dem Radweg an der Landstraße entlang, steuert man geradewegs auf den Ketteler Hof zu: Einem Abenteuer- und Erlebnispark für Kinder, auf dem gerutscht, geklettert, geschaukelt und geplantscht werden kann. Als ich hier ankam, fuhr aber nur ein einsamer Rasentraktor über den noch völlig verwaisten Großparkplatz, um die Ränder der unzähligen Parkbuchten in Schuss zu bringen. Denn nur zwei Tage später, am ersten Mai (diese Horrorvision stieg prompt in mir auf) würde bei diesem sommerlichen Wetter hier die Hölle abgehen.
Ich ließ den Park hinter mir und näherte mich damit dem "Hülsterholt", wo der Wanderweg noch einmal deutlich anstieg. Zugleich sollte mir damit der spannendste Etappenteil bevorstehen. Weil Wegesperrungen sonst aber häufig auch nichtigen Anlässen entspringen und in solchen Fällen meine Unbekümmertheit auch nicht tangieren, eins klar vorweg: Das Betretungsverbot des Weißen Venns und der Geisheide, auf das man hier stößt, ist unbedingt ernst zu nehmen. Nicht nur, weil viele hochgradig gefährdete Tierarten auf dem Terrain des einstigen Truppenübungsplatzes ihre Rückzugsorte gefunden haben, sondern auch zum Eigenschutz wegen der nach wie vor vielerorts im Boden vorhandenen Munitionsreste und Kampfmittel.
Dementsprechend begegnet einem dann auch gefühlt alle 50 Meter eines jener unzähligen und großflächigen Warnschilder. Doch während man auf diese Art ungefährdet am direkten Rand des Sperrgebiets entlang geht, dürfte sich die Spannung spätestens dann nochmals erhöhen, wenn auf der anderen Seite plötzlich die Bunker des für die Lagerung und Logistik von Explosivstoffen zuständigen Unternehmens "Pyrosafe" ins Auge fallen.
Zumindest subjektiv liegen also nun anderthalb spannungsgeladene Kilometer vor dem Wanderer, die zwischen dem abgezäunten Bunkergelände (links) und der Sperrzone samt militärischer Altlasten im Waldboden (rechts) zurückgelegt werden müssen. Und die sind angesichts des ziemlich schmalen Pfades durchaus geeignet, ein vorübergehendes Emotionsgemisch aus Neugier, Abenteuersinn und leichter Beklemmung hervorzurufen. Die Hauptsache ist nur, man bleibt auf dem Weg.
Spätestens mit dem Auftauchen der Hülstener Wacholderheide kommt die Gefühlswelt dann aber wieder ins Reine. Früher im westlichen Münsterland eine sehr verbreitete Landschaftsform, sind die sand- und lichtbedürftigen Gewächse heute aber sehr selten geworden.
Man bewegt sich nun eine Weile schnurgerade nordostwärts, bevor eine von Wiesen und Weiden geprägte Landschaft die waldreichere Hohe Mark abzulösen beginnt. Bei der Querung des Boombachs ist der Weg noch asphaltiert, und im Bereich einer nicht enden wollenden Treibhausanlage wird er sogar etwas langatmig.
Nördlich des Voßkamp setzt dann nicht nur der unbefestigte und von Bäumen gesäumte Markenweg ein, sondern auch die herrlichen Heubachwiesen. Zwischendurch meinte ich sogar, die berühmten Wildpferde zu erspähen, doch die Entfernung war viel zu groß, um wirklich sicher zu sein.
An einer hiesigen Kreuzung erkannte ich übrigens auch jene Sackgasse wieder, in die ich einst hineingegangen war und so bis unmittelbar an den Heubach herankommen konnte. Der nämlich bildet an dieser Stelle die schützende Grenze zum Bereich der wildlebenden Pferde, die sich von hier aus mit etwas Glück aus der Nähe betrachten lassen.
Der Markenweg - und mit ihm der X6 - setzt sich dagegen weiter fort, und an einer kleinen Rad-Service-Station vorbei kommt man dem Ziel Maria Veen nun kontinuierlich näher. Während die Beschilderung auch heute sehr zuverlässig war, vermisste ich sie während des letzten Kilometers dagegen völlig. Doch dann trat mir, wie zum Ersatz, der plötzliche und intensive Duft einer Biogasanlage in die Nase. Und der war kurioserweise genau so geeignet, mich zuverlässig zum Bahnhof zu führen :-)
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